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Rückblick: Webinare in der Erwachsenenbildung – wie und warum?

Ein Rückblick auf die Webinarreihe „weiter gelernt“ im Mai und Juni 2018

Im Zuge der Digitalisierung und den Bestrebungen hin zu digitalen Lehr-Lern-Arrangements erfahren videogestützte Live-Online-Bildungsformate zurzeit einen spürbaren Bedeutungszuwachs. Das Angebot an Webinaren steigt und ihr Verbreitungsgrad ebenfalls. 45 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland nutzen bereits digitale Lernformate wie Apps, Online-Vorlesungen oder Webinare, um sich privat weiterzubilden. Für diese Nutzerinnen und Nutzer besteht der größte Vorteil digitaler Formate in der Möglichkeit, sich mit digitaler Technologie zeit- und ortsunabhängig weiterbilden zu können (vgl. Bitkom 2017). Dementsprechend hoch ist die Zahl der mobilen Endgeräte, die bereits heute zum Lernen in digitalen Räumen verwendet werden (vgl. Kulmer 2018). Grund genug also, sich digitale Lernformate einmal genauer anzuschauen.

In unserem Projekt „weiter gelernt“ haben wir uns zusammen mit dem Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) in Österreich und dem Erwachsenenbildner, Unternehmensberater und Online-Bildungsprofi David Röthler mit dem Format der Webinare befasst. Unsere Ausgangsfragen waren dabei eigentlich ganz einfach: „Wie geht das überhaupt? Und warum kann das hilfreich sein?“

Konzept

Die Idee hinter dieser Reihe war, Erwachsenenbildnerinnen und -bildnern einen ersten Einblick in das Format Webinar zu ermöglichen. Dabei gewährten wir einen Blick hinter die Kulissen, um den teilnehmenden Weiterbilderinnen und -bildern zu zeigen, wie die Organisation im Hintergrund abläuft. Außerdem war eine hohe Interaktion mit den Teilnehmenden eingeplant, um so die Hemmschwelle zu senken, dieses Format selbst anzubieten. Um diese hohe Beteiligung zu garantieren, wurden vorab zwei Termine zum Technik-Check angeboten. Hier konnten die Teilnehmende die Software Zoom kennenlernen, sich anmelden und ihre Mikrophone und Kameras testen. Außerdem war der Webinarraum bei jedem Termin schon eine halbe Stunde vor Beginn geöffnet, um den Teilnehmenden Zeit zum Einrichten und Ausprobieren zu geben.

Die fünf Termine waren voneinander unabhängig und so konnte eine persönliche Auswahl getroffen werden. Da eine Aufzeichnung der Termine erfolgte, konnte diese auch im Nachgang noch angeschaut werden.

In allen Terminen wurden viele verschiedene Tools und Methoden gezeigt, um einen umfassenden Einblick in die unterschiedlichen Möglichkeiten eines Webinars zu geben. Zum Beispiel lernten die Teilnehmenden Kleingruppenarbeiten in Break-Out-Sessions kennen, stellten sich auf der digitalen Pinnwand Padlet persönlich vor, arbeiteten gemeinsam an einer Mindmap und einem Onlinedokument. Dabei wurde auch das Wissen und Erfahrungen der Teilnehmenden einbezogen, die ihnen bekannte Tools vorstellen und ergänzen sollten. Auch im Chat und via Webcam konnten sich die Teilnehmenden ins Webinar einbringen.

Viele Möglichkeiten und Tools für Webinare wurden nur kurz vorgestellt und müssen im Nachgang von den Teilnehmenden eigenständig entdeckt werden. Trotz der begrenzten Zeit von einer Stunde pro Termin wurde sehr viel Zeit zum Ausprobieren und Testen gewährt.

Themen

Die verschiedenen Termine waren jeweils einem Themenschwerpunkt gewidmet. Wir beschäftigten uns mit bildungspolitischen Aspekten von Webinaren, wie beispielsweise virtuelle Mobilität und Open Educational Resources. Wir besprachen die Voraussetzungen für die Durchführung von Webinaren, wobei die notwendige Software- und Hardware-Ausstattung diskutiert wurde und lernten vor allem die Funktionen der Software Zoom kennen.

Nach diesen technischen Überlegungen ging es nun zur Methodik und Didaktik für Webinare. Es wurden verschiedenen Formate und Methoden vorgestellt, die für Webinarformate verwendet werden können. Je nach Zielgruppe und Lernzielen können beispielsweise Blended Learning oder Flipped Classrooms sinnvoll sein. Außerdem behandelten wir die Einbindung von Online-Teilnehmenden für interaktive Liveübertragungen von Präsenzveranstaltungen. In Kleingruppen konnten die Teilnehmenden über mögliche Einsatzfelder oder Angebote sprechen, die sie zukünftig gerne als Webinar anbieten möchten.

Ein Webinar profitiert im Gegensatz zu Lernvideos von der Interaktion mit den Teilnehmenden. Deshalb sollten bei einem Webinar verschiedene Methoden zur Teilnehmenden-Beteiligung eingeplant werden. Dafür wurden unterschiedliche Online-Werkzeuge vorgestellt, die Interaktion in Webinaren unterstützen und ermöglichen können. Diskutiert wurden hier unter anderem das kollaborative Aufgabenplanungsprogramm Trello und die digitale Pinnwand Padlet. Gemeinsam mit den Teilnehmenden sammelten wir Tools und ordneten sie den verschiedenen Seminarphasen und Einsatzmöglichkeiten zu.

Der letzte Termin warf dann den Blick in die Zukunft. David Röthler stellte uns hier neue technische Entwicklungen vor, die in den kommenden Jahren voraussichtlich Einzug in die Bildung erhalten werden. Von Telepräsenz-Robotern über 360 Grad-Kameras bis hin zu Augmented Reality und Drohnen ermöglichte David Röthler uns erste Einblicke.

Fazit

Die Webinarreihe ist auf großes Interesse gestoßen. In der Weiterbildungsbranche spielen viele mit dem Gedanken selbst Webinare anzubieten und haben diese Reihe genutzt, um (erste oder weitere) Erfahrungen damit zu sammeln. Die Motivation der Teilnehmenden, eine aktive Rolle zu übernehmen, war groß und so entstand ein reger Austausch. Es hat sich gezeigt, dass ein Webinar viel mehr kann, als einen Vortrag online zu übertragen, doch dafür müssen die Möglichkeiten von Webinar-Softwares in die Konzeption und Planung einbezogen werden. Außerdem brauchen die Teilnehmenden Zeit sich im digitalen Raum zurecht zu finden. In diesem Zusammenhang lohnt sich nochmals der Hinweis auf das fünfstufige Modell von Gilly Salmon (2002) für erfolgreiches Lernen im digitalen Raum (mehr dazu finden Sie in unserem Heft Nr. 9). Wie im analogen Seminar bedarf ein Webinar eines methodisch-didaktisches Konzeptes, um erfolgreich zu werden.

Für uns war es spannend, ein Webinar anzubieten und den Teilnehmenden Zugang hinter unsere Moderationskulissen zu gewähren. Wir hoffen, dass wir auch viele andere Erwachsenenbildnerinnen und -bildner dazu motivieren konnten, sich an diesem Format zu versuchen.

Im Dezember 2018 erscheint eine neue Ausgabe unserer Heftreihe „weiter gelernt“, die sich mit dem Thema „Webinare in der Erwachsenenbildung“ beschäftigt.

Experte

David Röthler arbeitet als Berater für Webinare, Online-Bildungsformate und EU-finanzierte Projekte. Sein besonderes Interesse gilt innovativen Modellen der Partizipation im Journalismus, in der Bildung und Politik. Er ist langjähriger Referent und Lehrbeauftragter bei zahlreichen Bildungseinrichtungen wie u.a. der Universität Salzburg, Klagenfurt. Der Einsatz von Online-Konferenz-Software in der Bildungs- und Projektarbeit war ein Schwerpunkt seines Engagements in den letzten Jahren. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens PROJEKTkompetenz.eu, Salzburg – Düsseldorf, Mitglied von ikosom.de – Institut für Kommunikation in Sozialen Medien, Berlin sowie Vorstandsmitglied von WerdeDigital.at, Wien.

Weblog: http://david.roethler.at/

Fördermittelgeber/-in

Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb), Österreich

Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales des Landes Berlin

Literatur

Aschemann, B. (2018): Digitalisierung, Didaktik, Internettechnologien. Pädagogische Schriftenreihe des BFI OÖ. Band 5. URL: https://www.bfi-ooe.at/fileadmin/user_upload/PDF/Band-5-Paedagogische-Schriftenreihe.pdf (Stand: 01.10.2018)

Bitkom e.V. (2018): Fast jeder Zweite bildet sich online weiter. URL: https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Fast-jeder-Zweite-bildet-sich-online-weiter.html (Stand: 01.10.2018)

Kulmer, K. (2018): Digitales Lernen wird mobiler und interaktiver. URL: https://erwachsenenbildung.at/aktuell/nachrichten_details.php?nid=12166 (Stand: 01.10.2018)

Salmon, G. (2002): E-tivities: The Key to Actice Online Learning. URL: https://etutors.wikispaces.com/file/view/Etivities_Salmon.pdf (Stand: 01.10.2018)

Autorin

Lisa Kammerer, k.o.s GmbH

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