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(Zoom-)Bombing – was tun, wenn Internettrolle den Onlineraum stören?

Das Hereinplatzen von Störenfrieden in Onlinemeetings, Webkonferenzen und Webinaren ist kein seltenes Phänomen. Es gewinnt aktuell weiter an Bedeutung, da persönlicher Austausch zunehmend in den digitalen Raum verlegt wird. In einer Session beim diesjährigen Educamp Frankfurt #ecfra20, das am 24. und 25. April 2020 digital stattfand, diskutierten wir aus aktuellem Anlass über das Thema „zoombombing“ mit 15 Teilgebenden. In diesem Artikel fassen wir die Ergebnisse der Session zusammen.


Virtuelle Übergriffe führen bei Host und Teilnehmenden oft zu Ratlosigkeit und Unverständnis. Dabei beziehen sich die Angriffe nicht ausschließlich auf die Software zoom.us, sondern können jederzeit und überall im digitalen Raum stattfinden. Da zoom aktuell eines der meist genutzten Programme ist, sollte über Tipps und Einstellungen diskutiert werden, die im Vorfeld für diese Software getroffen werden können, sowie ad hoc, im Falle eines „Bombings“.

Um einen Austausch über Erfahrungen zu ermöglichen und gemeinsam Strategien und Lösungen zu entwickeln, um in dieser Situation entsprechend schnell reagieren zu können, war die Diskussion in der Online-Session auf 15 Personen begrenzt. Dazu wurde zunächst gesammelt, wie ein sogenannter Troll stören kann.

Wie können Online-Sessions gestört werden?

Die Störungen reichen beispielsweise von Geräuschen wie Rückkopplungen und Echos, über Provokationen, rassistische oder sexistische Kommentare bis hin zum Teilen unschöner Inhalte per Bildschirmfreigabe oder im eigenen Bild.

Störungen im Online-Raum

  • sich selbst lautstellen und schreien/ störende Geräusche von sich geben
  • weitere Teilnehmer*innen (TN) mitbringen (100 TN anstelle von 30)
  • inhaltliches Stören // Meetingkonzept zerstören – eher ein Thema des Umgangs mit “herausfordernden Teilnehmenden“
  • Chat überschwemmen und provozieren
  • Bildschirm teilen und verstörende Bilder/ Videomaterial zeigen
  • als eigenes Hintergrundbild etwas Störendes (oder sogar ein Video) einstellen
  • sich anonym geben (ein Kürzel statt Namen, keine Webcam)
  • sich immer wieder umbenennen
  • bewusst Echos und Rückkopplungsgeräusche erzeugen
  • störende Kommentare auf die Folien schreiben bei Bildschirmfreigabe

Was kann die Moderation vorab dagegen tun?

Klar ist an dieser Stelle, dass jede Einschränkung von Funktionen, jede Störung durch Unbefugte, die die Moderation aus der Ruhe bringt, das Konzept sowie das didaktische Design und auch die Teilnehmenden negativ beeinflusst. Aus diesem Grund können vorab Einstellungen getroffen werden, die den Trollen eine Hürde bieten. Generieren Sie für jedes Meeting eine neue ID, verwenden Sie ein zusätzliches Passwort und vermeiden Sie das Teilen von Meeting-Links im öffentlichen Raum (Tipp: ein Linkkürzer kann helfen, damit Crawler (Searchbots/ Roboter) nicht wahllos die Suchmaschinen nach Zoomräumen durchforsten).

Wie lässt sich der Online-Raum vorab schützen?

  • den Link zum Raum nicht öffentlich posten
  • Passwort separat verschicken
  • Beitrag mit Seminar-Info bewerben, nicht den Link zum Seminar
  • evtl. per Linkkürzer Links öffentlich stellen (sie lassen sich dann nicht mehr per Suchmaschinen crawlen)
  • Nutzer*innen vorher zum Meeting anmelden lassen oder eine verbindliche Registrierung auf einer Plattform vorschalten
  • den Warteraum aktivieren
  • für jedes Meeting eine neue ID generieren lassen
  • Co-Hosts ernennen
  • den Chat zuerst ausstellen, TN genau beobachten, dann den Chat anschalten
  • den Beitritt vor der Moderation deaktivieren
  • Bitte an Teilnehmende: Klarnamen beim Beitritt verwenden

Was kann die Moderation live dagegen tun?

Im besten Fall kann der Troll identifiziert und entfernt werden – dies ist jedoch nicht immer möglich, denn durch die Umbenennungsfunktion oder wenn mehrere Trolle stören, wird die Situation unübersichtlich. Eine Co-Moderation kann unterstützen, den Chat überwachen und weitere Einstellungen treffen. Eine zweite Person ist daher fast schon unabdingbar im virtuellen Raum. Je mehr Teilnehmende, desto mehr Leute könnten als Unterstützer*innen fungieren (Achtung: Ernennen Sie nur vertraute Personen als Co-Hosts). Die Deaktivierung von Bildschirmfreigabe und Kommentarfunktion, kann ebenfalls im laufenden Meeting eingestellt werden. Weitere nützliche Einstellungen, die sich live treffen lassen: das Meeting für neue Teilnehmende schließen, die Umbenennung deaktivieren und keine eigene Lautschaltung erlauben. Auch der Chat kann geschlossen werden. Da die (negativen) Kommentare sichtbar bleiben, können die Teilnehmenden später animiert werden etwas Positives zu schreiben.

Was kann Moderation/Host dagegen tun (live)?

  • Trolle identifizieren & entfernen (Über die TN-Liste und Rechtsklick)
  • einen Warteraum vorschalten oder sogar das Meeting für Nachzügler*innen schließen
Neue Sicherheitseinstellungen in zoom-Meetings
  • den Chat moderieren (Co-Host) // Einstellungen überprüfen: wer kann mit wem kommunizieren? → evtl. die Chatfunktion einschränken
Chat-Einstellungen
  • wenn schon etwas Verstörendes im Chat gepostet wurde Positives in den Chat schreiben, damit der Inhalt, den man nicht löschen kann, nach oben rutscht
  • Funktion „sich selbst umbenennen“ ausstellen (Moderation kann TN umbenennen). Damit verhindern wir, dass Trolle sich immer wieder umbenennen und haben einen besseren Überblick
  • den TN nicht erlauben, eigene Stummschaltung aufzuheben (niemand kann ungefragt sprechen oder das Mikrofon benutzen)
Teilnehmende verwalten (im Meeting)
  • die Bildschirmfreigabe nur für den Host erlauben // Kommentarfunktion bei der Bildschirmfreigabe ausschalten
Bildschirmfreigabe einstellen (im Meeting)

Attacken auf Barcamps

Welchen Einfluss die Attacken z. B. auf offene Formate wie Online-Barcamps haben können und wie im Einzelfall vorzugehen ist, gehört (für uns) nun zu den Überlegungen und Kriterien, die bei der Konzeption von digitalen Veranstaltungen mitberücksichtigt werden müssen!

Was bedeutet zoombombing für digitale BarCamps?

  • Wie kann man den Sessionplan schützen?
  • Evtl. keinen Direktlink im Sessionplan posten, sondern das Word „Link“ verlinken
  • Technikengel = Co-Host
  • Bei Formaten mit viel Beteiligung: evtl. TN-Zahl im Meeting begrenzen? → für qualitativ hochwertige Diskussion und Übersichtlichkeit
  • Bei Formaten mit weniger Beteiligung: zunächst die Tools zur Kollaboration beschränken, die TN beobachten und nach und nach freischalten
  • Anmeldung für digitale BarCamps?


Alle in der Session gesammelten Ideen und Tipps wurden in einer Präsentation festgehalten und stehen hier zum Download bereit:

Dieses Dokument ist im Rahmen der Session „(zoom)-Bombing: Was ist das und wie können wir damit umgehen?“ im online-Barcamp #ecfr20 am 24.04.2020 entstanden und ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

Den gesamten Sessionplan des EduCamps, Hintergrundinfos sowie weitere Dokumentationen finden Sie unter https://docs.google.com/document/d/1rCIsXoGrfQ76F5g3MSTl3PzDiutsrGxc0STlk23KlYw/edit#heading=h.7tj0w2gih3gc

Autorinnen: Noreen Brünies & Anna von Heyden-Mikheeva

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